Informelles
Hier finden Sie einen kleinen Beitrag zur Haltung von Papageien. Einst konzipiert für eine Vortragsreihe in der VHS.
Skript - Harald Hennig Papageienzüchter und Gründer der IZG-Rheine 1990 e.V.
Ein Papagei kommt ins Haus!
Bitte bedenken Sie im Vorhinein: Ein Papagei ist KEIN Papagei! Papageien sind hoch sozialisierte Lebewesen. In freier Natur leben sie niemals alleine, sie leben meist in Einehe mit einem artgleichen Partner. Viele Papageien sind sogar Schwarmvögel, z. B. Wellen- und Nymphensittiche oder Graupapageien, so richtig wohl fühlen sie sich nur in einer Gruppe von Artgenossen. Das heißt, der Mensch kann egal wie sehr er sich auch anstrengt, einen gleichartigen Partner auch unter den besten Haltebedingungen nicht ersetzen.

Zu allererst: sprechen Sie mit ihrer Familie!
Wenn Sie sich also mit dem Gedanken anfreunden können, ZWEI oder mehr Papageien bei sich aufzunehmen, dann lesen Sie bitte weiter ....
1) Womit Sie bei der Haltung von Papageien rechnen müssen:
Lautstärke:
Die meisten Papageien sind laut, vor allem in den Morgen- und Abendstunden. Die Beschwerden der Nachbarn sind ein häufiger Abgabegrund. Zu den besonders lauten Papageien zählen Amazonen, südamerikanische Sittiche, Edelpapageien* und Kakadus. Haben Sie die Nerven? Sie können hier keinen Stecker ziehen um Ruhe zu haben.
* je nach Art bzw. Unterart

Flug- und Nagebedürfnis:
Papageien haben ein ausgeprägtes Nagebedürfnis. Sie benötigen daher regelmäßig frische Äste und Holzspielzeug zum Knabbern. Trotzdem beschränken sie ihre Nageaktivitäten meist nicht auf die „erlaubten“ Stücke, sondern nutzen die Freiflugzeit in der Wohnung zum Annagen von Möbeln und Türen. Gardinen werden auch gerne genommen. Pflanzen werden grundsätzlich nicht verschont, wobei einige sehr giftig sind.
Schmutz und Hygiene:
Nagetätigkeit, verschwenderischer Umgang mit dem Futter und häufiges Kotabsetzen machen Papageien zu pflegeintensiven Tieren. Wenn Sie es nicht glauben, werden Sie es erleben – Sie werden Futter und Vogelkot finden wo er physikalisch gar nicht sein kann. Die regelmäßige Reinigung ist jedoch für die Gesunderhaltung der Tiere absolut notwendig.
… und das ist längst noch nicht alles …
Liebe und Hass:
Papageien haben eine ausgeprägte Persönlichkeit, haben also Vorlieben für ganz bestimmte Menschen, andere werden möglicherweise abgelehnt, vielleicht sogar attackiert, letzteres gilt besonders für Amazonen. Eine Tatsache ist, nicht Sie suchen den Papagei aus, sondern der Papagei sucht Sie aus! Was also, wenn Ihr Papagei Sie nicht mag, sondern den Anderen, der eigentlich gar nichts von ihm will, weil er nichts mit ihm anfangen kann. Der Andere steht halt eben mehr auf Fische, na dämmert´s.

Einsamkeit macht ihn zum Rupfer!
Allergien:
Papageien produzieren Federstaub*. Das liegt an ihren Talgdrüsen, die sie zur nötigen Gefiederpflege brauchen. Manche Menschen reagieren darauf allergisch. Personen, die bereits unter anderen Allergien leiden, sind besonders gefährdet. Die Allergieanfälligkeit kann in Allergielaboratorien ausgetestet werden. Ihr Hausarzt kann Ihnen hier helfen. Lassen Sie bitte alle Familienangehörige vorher testen. Auch die, die nicht in Ihrem Hauhalt leben, sonst bleibt Ihnen bald der Besuch weg. Aber Sie haben ja ihren Papagei.
* Ausnahme Edelpapageien sie haben Öldrüsen
Zahmheit und Sprechen:
Es ist ein Irrglaube, dass alle Papageien „bald zahm werden und sprechen lernen“. Statistisch gesehen ahmt nur ein Bruchteil der Papageien die menschliche Sprache nach und viele bleiben ihr Leben lang scheu. Auch mit Eintritt der Geschlechtsreife kann sich vieles im Verhalten ändern. Von Hand aufgezogenen Papageien ist eine vermehrte Aggressionsbereitschaft bekannt. Halten Sie Ihre Papageien Paarweise ist alles eine Sache der Gleichbehandlung.
Immer noch begeistert, dann lesen sie bitte weiter …
2) Lebenserwartung:
Je nach Art können Papageien ein hohes Lebensalter erreichen. Großpapageien ca. 50-70 Jahre. Was wird aus Ihrem Liebling nach Ihrem Dasein?
Auszug Tabelle Lebenserwartung unverbindliche ca. Angaben in Jahren:
Art | Lebenserwartung durchschnittlich | Lebenserwartung max. |
Wellensittiche | 8 | 10-14 |
Nymphensittiche | 15 | 35 |
Großsittiche | 15 | 20-30 |
Mohrenkopfpapageien | 25 | 30-35 |
Graue + Amazonen | 25 | 30-40 |
Aras + Kakadus | 30 | 50 |
Wie gefällt Ihnen die Vorstellung, Ihr gesamtes, oder zumindest einen Großteil Ihres Lebens, mit Papageien zu leben? Bei jungen Menschen kann sich noch vieles im Leben ändern, ein Umzug, ein neuer Partner, oder ein Baby komplettiert die Familie. Vorsicht, Großpapageien können Babys gegenüber eifersüchtig sein und aggressiv reagieren.
Vergewissern Sie sich vor der Aufnahme von Papageien, ob wirklich alle im Haushalt lebenden Personen damit einverstanden sind. Besuchen Sie in jedem Fall vorher Papageienhalter, um das Wesen dieser Exoten kennen zu lernen. Hier bekommen Sie einen Eindruck wie es demnächst bei Ihnen sein wird.
3) Kosten:
Je nachdem, woher Sie die Sittiche oder Papageien beziehen und je nach Art, werden die Kosten sehr schwanken. Da kommen schnell 800 Euro zusammen und hier sprechen wir nur von einem Papagei. Also von keinem. Nach oben gibt es fast keine Grenze. Für die Errichtung einer Voliere (Zimmer, Garten) oder eines ausreichend großen Papageienkäfigs bzw. eines Vogelzimmers sind nochmals Kosten bis 1000,- Euro zu kalkulieren. Nicht zu vergessen die allgemeinen Futterkosten, hier ist Abwechslung gefragt. Sie essen auch nicht jeden Tag Erbsensuppe.
Obwohl für Papageien keine Impfungen vorgeschrieben sind, sollten sie in regelmäßigen Abständen (alle 1-2 Jahre) von einem papageienkundigen Tierarzt untersucht werden. Zeigt ein Papagei Krankheitssymptome, muss er sofort zum Tierarzt; zu warten kann sein Leben kosten. Also Pflegekosten nicht vergessen!
Für die bis hier anfallenden Kosten, können Sie mehrfach einen schönen, stressfreien Urlaub machen. Oder Sie gehen einmal wöchentlich mit Ihrer Familie lecker Essen, gehen nach Hause und brauchen sich um nichts zu kümmern.

Auch jetzt soll es noch ein Papagei sein, dann lesen sie weiter …
4) Anschaffung:
Es empfiehlt sich nicht die Aufnahme von Papageien, die ihren Platz verloren haben und ein neues Zuhause suchen. Auch, wenn sie noch so günstig angeboten werden. Diese Tiere sind nichts für Anfänger, sondern nur für Profis! Oft sind diese Papageien bereits verhaltensgestört, oder werden wegen ihres aggressiv gewordenen Verhaltens abgegeben. Sie werden förmlich „weggelobt“. Hier handelt es sich auch nicht um Jungtiere sondern um Papageien, welche in die Geschlechtsreife gekommen sind. Diese Papageien zeigen zeitweise oder dauerhaft ein aggressives Verhalten, was ganz und gar natürlich ist. Anfängern empfehlen wir immer ein Jungtier, als Naturbrut oder als Handaufzucht, direkt vom Züchter. Erkundigen Sie sich rechtzeitig bei einem Züchter Ihrer Wahl – das ist der richtige Weg!
Natürlich können Sie Ihren Papagei auch im Zoohandel erwerben, bedenken Sie aber sie kaufen ein lebendiges Wesen. Welches ab jetzt von Ihnen abhängig ist, und Sie nicht umtauschen können. Jedenfalls nicht hier, gekauft ist gekauft. Prüfen Sie die Fachkompetenz des Personals. Lassen Sie sich beraten, gehen Sie nach Hause und überschlafen Sie Ihr Vorhaben und gehen Sie nochmals hin, und noch mal, und noch mal bis Sie ganz sicher sind. Es gibt Zoohandlungen die können Ihnen nicht einmal das richtige Futter für Ihren Liebling verkaufen. Wenn Ihnen auch nur der geringste Zweifel kommt, gehen Sie lieber den richtigen Weg – gehen Sie zum Züchter! Hier können Sie zur Not auch umtauschen besser gesagt zurückgeben – ganz sicher! Haben Sie einen seriösen Züchter gefunden wird es dazu allerdings nicht kommen, denn beim geringsten Zweifel des Züchters Ihnen gegenüber wird er Ihnen keinen Papagei verkaufen.

Papageien als Heimtiere:


Ihr Wille ist bewundernswert, es soll also ein Papagei sein - gut, lesen sie weiter …
5) Rechtliche Voraussetzungen:
Bitte bedenken Sie: Ein Drittel der lebenden Papageienarten sind vom Aussterben bedroht. Deshalb ist der Handel mit diesen Exoten Beschränkungen unterworfen. Mit manchen Arten, z.B. verschiedene Ara-, Amazonen- und Kakaduarten, darf gar nicht gehandelt werden*. Bitte kaufen Sie keine importierten Wildfänge. Kaufen Sie nur hiesige Nachzuchten. Die Zucht der meisten Papageienvögel ist meldepflichtig. Züchter müssen dem Käufer die entsprechenden Papiere aushändigen.
Auch das Tierschutzgesetz sieht Papageien als Tiere mit „besonderen Ansprüchen an Haltung und Pflege“ und schreibt eine Meldepflicht (Untere Naturschutzbehörde*²) vor. Eine Haltergenehmigung wird erteilt, wenn die gesetzlichen Auflagen, wie Käfiggröße, etc., erfüllt sind. Auch wird/kann ein Sachkundenachweis gefordert werden.
* Ausnahmegenehmigung zwingend erforderlich, *² Kreis Steinfurt Außenstelle Tecklenburg (oder örtlich zuständige)
Bitte schaffen Sie Papageien niemals aus folgenden Gründen an:
- Als Partnerersatz („weil ich so einsam bin“),
- Als Geschenk, auch wenn Sie sich’s leisten könnten,
- Als exotischer Aufputz für`s Wohnzimmer (Prestigegründe),
- Als Attraktion für Lokale, Geschäfte, Hotelhallen, etc.,
- Als Kinderspielzeug, um Himmelswillen - NEIN!,
… wenn Sie jetzt immer noch Papageien möchten, heiße ich Sie bei mir herzlich willkommen.

Kontaktieren Sie mich, oder den Züchter Ihrer Wahl, schon vor der Anschaffung!
www.GREDELKA.eu/de ....... Papageien-vom-Zuechter.de ....... haraldhennig@gmx.de
Copyright © 2009 HH.
Quellen: Auszüge aus Papageienschutz.org, Zeichnungen V. Janitsch, APN ArbeitsgemeinschaftPapageienNetzwerk